Hinter klugen Sätzen
Ich mein ja nur...
Manchmal reicht ein einziges Wort und ein ganzes altes Leben kippt in Lesbarkeit. Vorher Druck, Scham, Müdigkeit, dann: Kante. Ein Begriff. Und auf einmal hat das Diffuse Zähne. Im nächsten Gespräch wieder zu Anfang.
Was keine Adresse hat, läuft weiter. Im Hals. In Sätzen, die grammatisch stimmen und trotzdem etwas verfehlen.
Ein Blick kippt. Ein Satz bleibt halb offen. Ich spür etwas und komm nicht ran. Wenn Ruhe einkehrt und nix Vorwegnehmende mehr eintritt. Jahre später. Manchmal auch früher.
Wir nennen Sprache Ausdruck. Als wäre die Sache längst geklärt und müsste nur noch hinaus. Was war vorher schon da? Druck? Erfahrung? Erinnerung? Erwartung? Auch ihre Form?
Vielleicht war der Druck da.
Ein Wort fällt. Plötzlich passen Jahre zusammen. Auch die, an die man vorher anders dachte. Dann erzählt jemand dieselbe Geschichte anders.
Begriffe greifen ein. Was als Störung gilt, als Schuld zählt oder als Krankheit umläuft. Was überhaupt als Erfahrung anerkannt wird.
Seit ich es benennen kann, erinnere ich mich anders.
Ob es schon vorher da war, muss ein Danach beurteilen, das es vorher nicht geben konnte.
überarbeitet am 20.10.2026