Nur Liebe
Der Schlüssel liegt freundlich da. Genau so beginnt es.
Der Schlüssel liegt wieder auf dem Tisch.Nicht feierlich. Nur da.
Du schiebst ihn zu mir, als würdest du mir ein Glas Wasser hinstellen.„Damit du nicht immer warten musst“, sagst du.Du meinst es freundlich. Das ist das Problem.
Ich nehme ihn nicht sofort.Ich sehe meine Hand: ruhig, sauber, zu geübt.Kein Zittern. Keine Geschichte. Nur Reflex.
Metall auf Holz.Ein trockenes Klicken.Kein Gewicht. Nur Bedeutung.
„Du kannst jederzeit“, sagst du.Und meinst es.Und ich höre trotzdem: du darfst.
Ich lache kurz, weil Lachen billiger ist als Streit.
Dann senke ich den Blick, weil diese kleine Erleichterung schon wieder reicht, um zu kapitulieren.
Ich stecke ihn ein.Nicht weil ich dich liebe.Sondern weil ich die Tür liebe.
Später, in meiner Jackentasche, klackt er gegen Kleingeld.Als würde etwas abgerechnet, das ich nicht abgerechnet haben will.
Ich gehe nach Hause.
Und merke: Ich habe ihn genommen wie eine Unterschrift unter eine Regel, die keiner ausgesprochen hat.